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MIT PAULUS MITTENDRIN


An der Westfassade unserer Kirche, über dem Haupteingang befinden sich die Skulpturen von Petrus und Paulus. Mitten in der Stadt. Doch kaum jemand nimmt von ihnen an diesem Ort Notiz. Ein Bild mit Symbolkraft. Die Kirche wird heute leicht übersehen. Für viele Menschen ist der Glaube eine fremde Welt. Gleichzeitig stellt sich aber auch die Frage: Sind wir als Kirche tatsächlich noch mittendrin zu finden, nahe bei den Menschen oder stehen wir resigniert am Rande?

Der Blick auf die beiden Apostel zeigt: Nicht Rückzug aus der Welt, sondern Einmischen, Farbe bekennen und Gesicht zeigen ist angesagt. Wir haben den Menschen etwas kundzutun und zu geben, was sie wie das tägliche Brot zum Leben brauchen: das Evangelium von der Liebe Gottes. Wie wir das tun können, das zeigt beispielhaft die Geschichte von Paulus in Athen. Als er dorthin kam, so erzählt Lukas in der Apostelgeschichte, hat sich der Apostel bald auf die „agora“, den Marktplatz begeben, den Menschen zugehört und sich in die Diskussionen eingemischt. Schließlich wurde er von einigen eingeladen, auf dem Areopag mehr von seinem Glauben zu erzählen. Paulus stellt sich dabei sehr geschickt an. Er setzt bei der Lebenswirklichkeit der Athener ein und sagt zu ihnen: „Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.“ (Apg 17,23)

Anknüpfung – so nennt man das in der Rhetorik. Das ist etwas grundlegend Wichtiges, was wir für unsere Situation von Paulus lernen können. Wenn wir heute das Evangelium unter die Leute bringen wollen, dann müssen wir lernen, bei dem anzuknüpfen, was anderen Menschen lieb und teuer ist. Dann dürfen wir nicht abstrakt über den Glauben reden, sondern müssen davon erzählen, wie wir in unserem Leben Halt und Trost im Glauben gefunden haben. Das hat wesentlich mit dem Inhalt des Glaubens zu tun. Auch das können wir von Paulus lernen: Anknüpfen ist nicht gleichbedeutend mit Anpassen. Indem Paulus an die Lebenswirklichkeit der Athener anknüpft, redet er ihnen nicht nach dem Mund, sondern spricht gleichwohl in aller Deutlichkeit Grundthemen des Glaubens an.

Damals wie heute ist es eine schwierige Aufgabe, lebensnah und glaubwürdig von zentralen Glaubensaussagen zu reden. Die Alternative zu dieser Schwierigkeit ist jedoch nicht das Verschweigen, sondern der Versuch, so gut es einem eben möglich ist, von der Botschaft des Evangeliums zu erzählen. Und zwar im Bewusstsein, dass die eigenen Kräfte begrenzt sind, und zugleich im Vertrauen darauf, dass Gott sein Werk vollenden wird.

Nur wenn wir uns einmischen und uns so zeigen, dass unsere Gesichter und Lebenskonturen als Christen sichtbar werden, können andere Menschen mit dem Glauben in Berührung kommen. Genau das ist, so hat es der Theologe Fulbert Steffensky ausgedrückt, das Wesen der Mission: „Missionieren heißt nicht, die anderen zur eigenen Überzeugung zu drängen oder gar zu zwingen. Missionieren heißt zeigen, was man liebt, und damit lehren, was man liebt.“

Zeigen, was wir lieben – ich finde, das ist eine wunderbare Beschreibung für unsere Aufgabe als Kirche in der Mitte der Stadt. Vier Anregungen dafür, wie wir dies tun können, lassen sich aus der Geschichte von Paulus in Athen entnehmen:
– zu den Lebensorten der Menschen gehen und wahrnehmen, was sie bewegt;
– sich in das öffentliche Leben einmischen und das Gespräch mit anderen suchen;
– von der Wahrheit und Schönheit des Glaubens erzählen, und zwar
– genauso behutsam und offen wie klar und furchtlos.

Mehr als davon zu erzählen können wir von uns aus nicht tun. Mehr brauchen wir aber auch nicht zu tun. Fangen wir nur damit an! Für alles Weitere gibt Gott Segen und Gelingen!

Ihr Hauptpastor Dr. Jens-Martin Kruse





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