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SUIZIDPRÄVENTION IM ALTER – WAS MACHT SINN?


Die Selbsttötung trägt überproportional die Handschrift des Alters. Die physischen, psychischen und sozialen Belastungen im Alter können sich in wechselseitiger Verstärkung so zur Krise zuspitzen, dass Menschen nicht mehr leben wollen. Sich das Leben zu nehmen wird plötzlich zur Option. Ist das erlaubt? Tatsache ist, dass Vorsorgeangebote ältere Menschen und ihre Angehörigen noch viel zu selten erreichen. Wie kann das sein? Was geschieht in unserer Stadt? Wer und was hilft?

Am Freitag, 16. November, um 19 Uhr lädt das Beratungs- und Seelsorgezentrum in Kooperation mit den Hamburger Telefonseelsorgen zu einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion ins St. Petri Haus ein zum Thema „Suizidprävention im Alter – Was macht Sinn?“ Und am Sonntag, 18. November, um 10 Uhr gibt es einen ökumenischen Gottesdienst unter dem Motto „Dennoch gehen …“

Bei der Podiumsdiskussion geht es um die Hintergründe der zunehmenden Suizidalität im Alter, um das, was Betroffene und Angehörige wirklich brauchen und um bestehende aber auch benötigte Hilfen in Hamburg. Die Veranstaltung richtet sich an Betroffene, ihre Angehörigen und Fachleute. Sie will Mut machen, genau hinzuschauen und gemeinsam zu fragen, was "wir" als Gesellschaft tun können, wollen und müssen.

Frage: Wieso liegt Ihnen das Thema „Suizidalität im Alter“ im Beratungs- und Seelsorgezentrum und in den Telefonseelsorgen so am Herzen?

Pastor Reinhard Dircks: Dass der Wunsch aufkommen kann, einem schweren, als sinnlos und ausweglos erlebten Leiden ein Ende zu setzen, ist leicht nachvollziehbar. Aber ich finde, dass das Leben und Zusammenleben so sein muss, dass Menschen leben können. Wenn jemand das nicht kann, ist sofort die Frage da „Was ist passiert? Oder nicht passiert?“. Psychologisch lässt sich Suizidalität durch eine tief greifende Depression erklären, die im Alter oftmals ausgelöst ist durch Isolation und Einsamkeit. Wenn ein Mensch nur noch schlecht hört, sich kaum bewegen kann, Schmerzen hat und wenig Besuch bekommt, fragt er sich schon, wofür und für wen er überhaupt noch lebt. Aber diese Erklärung ist mir zu wenig. Uns als Gesellschaft und uns als Kirche kann diese Vereinsamung und können die Ängste alter Menschen nicht egal sein. Wir können die Lösung nicht einfach nur den Einzelnen und ihren Angehörigen überlassen.

Frage: Was schwebt Ihnen vor?

Dircks: Ich glaube, als erstes ist es wichtig, das Thema „Suizidalität im Alter“ zu enttabuisieren. Tabus verhindern, genau hinzuschauen. Und sie behindern die Kontaktaufnahme. Dann sieht man weder die einzelnen Betroffenen und ihre Angehörigen, noch entwickelt man ein Ohr für die Menschen, die schon Ideen entwickelt haben. Deshalb veranstalten wir zusammen mit den Hamburger Telefonseelsorgen jetzt auch die Podiumsdiskussion und laden zum Gottesdienst ein. Ich erhoffe mir, dass wir gut miteinander ins Gespräch kommen mit Betroffenen, Angehörigen und Fachleuten. Der Austausch macht sicherlich wacher für die Nöte und Berührungspunkte. Das ist eine Wachheit, die auch der Qualität der Hilfsangebote zugute kommt, die es bereits gibt in den unterschiedlichen Seelsorgeangeboten für Betroffene und Angehörige, in Gemeinden und Freizeitgruppen und der Pflege. Und vielleicht entstehen im Austausch weitere Ideen, was wir als Kirche und Gesellschaft beitragen können, damit das Leben auch im hohen Alter lebenswert ist. Ich lade alle ein, bei der Podiumsdiskussion mitzudenken und mit uns den Gottesdienst zu feiern.

Ihr Pastor Reinhard Dircks

Die Podiumsgäste





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