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Kirche für die Stadt

Petri-Geschichten

Stefan Schüddekopf wollte einen Raum kreieren, wo man Anregungen findet für den Ausdruck seiner Religiosität

Stefan Schüddekopf ist ansprechbar

Wer beim Besuch der Petri-Kirche einen Ansprechpartner sucht, wird in der Regel im religiösen Fachcafé geist†reich fündig. Die Ansgarkapelle südlich des Turmraums ist der Ort in der Kirche, wo während der Öffnungszeiten immer jemand ist. Und wo sich auch der Turmaufstieg befindet.

Ideengeber und Inhaber ist Stefan Schüddekopf. Der 62jährige wollte einen Raum kreieren, wo man Anregungen findet für den Ausdruck seiner Religiosität. Zwanzig Jahre hat der Prädikant in seiner Heimatgemeinde in Rellingen mit einem kleinen Team die Kindergottesdienste geleitet und Familienfreizeiten veranstaltet. Dabei war ihm immer wieder die Sprachunfähigkeit vieler Eltern aufgefallen, wenn es darum geht, über ihren Glauben und auch die Zweifel daran zu reden. „Mich hat umgetrieben, dass wir als Kirche keine Antwort darauf haben,“ so der Vater von zwei Pflegekindern und Opa einer siebenjährigen Enkelin.

Vor 17 Jahren hat der gelernte Bankkaufmann dann in Pinneberg seine ersten Erfahrungen mit einem Fachgeschäft für Religion und Spiritualität gesammelt und 2010 geist†reich am Mariendom gegründet. Hier begann vor rund sieben Jahren auch die Beziehung zu St. Petri. Das damalige Shop-Team von St. Petri war auf der Suche nach Anregungen für die eigene Produktpalette gewesen und Stefan Schüddekopf hat gerne beraten. Als die Petrigemeinde dann nach einer professionellen Nutzung für die Ansgarkapelle suchte, wurde er zum Arbeitskreis dazugebeten und hat das Konzept mitentwickelt.

Die wichtigsten Lehrmeister auf seinem eigenen Glaubensweg waren für Stefan Schüddekopf die Kinder. „Vor allem die Sieben- bis Zwölfjährigen haben mich gezwungen, sehr genau Rechenschaft abzulegen, was ich glaube und was nicht.“ Heute sieht Stefan Schüddekopf seinen christlichen Auftrag darin, Zeugnis abzulegen und für Hilfsbedürftige da zu sein. In St. Petri springt er gelegentlich auch beim Friedensgebet am Freitag ein.

Alte Kirche – alte Rosen – Ulf Eggers mittendrin

Ulf Eggers zaubert mit Rosen

Eingeweiht war zunächst nur der Küster. Der schmucklose Rasen an der Südseite der Kirche hatte bei Ulf Eggers vor acht Jahren die Lust geweckt, einen Rosenstrauch auf die Wiese vor der Ansgarkapelle zu setzen. Schon 25 Jahre hatte der Hobbygärtner Rosen in seinem großen Garten in Rellingen versammelt, vor allem Ableger alter Sorten – die duften so gut. Inzwischen sind es 300 Sorten. Nun wollte Eggers das Experiment wagen und Ableger an der Südseite von St. Petri pflanzen. „Ich bin selber überrascht, wie prächtig die Rosen hier gedeihen trotz Wind und der prallen Sommersonnenhitze“, freut sich der promovierte Germanist, der die Liebe zur Rose schon als Junge bei seiner Oma im Garten entdeckt hat. Rund 75 Sträucher sind es inzwischen, die St. Petri im Sommer verzaubern.

Zu St. Petri ist der Rellinger nach seiner Pensionierung gekommen. Bei den wöchentlichen Hamburg-Ausflügen zusammen mit seiner Frau war die Einkehr in St. Petri ein „Muss“. „Kirchen haben eine besondere Ausstrahlung – vor allem alte Kirchen. In St. Petri haben wir einen Ort der Ruhe gefunden, Kerzen angezündet, im Café Tee getrunken, die netten Mitarbeiter kennengelernt, Gottesdienste und Konzerte besucht, eine Baltikum-Reise mitgemacht: So ist St. Petri unsere zweite kirchliche Heimat geworden.“ In diesem Sommer kommt Eggers vor allem Sonntagsabends nach dem Abendbrot, um zu wässern und zu beschneiden.

„Die Pflege der Rosen hat für mich etwas tief berührendes und auch tröstendes, wie sonst nur die Musik“,erzählt Eggers. Seit vielen Jahren singt das frühere Lehrerehepaar in der Rellinger Kantorei und freut sich, dass wieder gemeinsam geprobt werden kann.

Christa Siegmund freut sich auf die Ausflüge „in die Stadt“ und die gute Stimmung beim donnerstäglichen Mittagessen

Christa Siegmund hilft gerne

Den ganzen Tag nur zu Hause zu sitzen, das ist nichts für Christa Siegmund. Deshalb hat die 84-jährige sich gefreut, als Hauptpastor Kruse sie gefragt hatte, ob sie nicht mithelfen wolle beim donnerstäglichen Mittagessen in der Kirche. „Ich mag es, für ein paar Stunden nach Hamburg reinzukommen mit einem festen Ziel, wo ich mich nützlich machen kann“, sagt die Neuwiedentalerin. „Und ich mag es, mich kurz mit den Leuten zu unterhalten, die zum Mittagessen kommen. Die Stimmung untereinander ist gut.“

Hauptpastor Kruse kennt Christa Siegmund aus ihrer Zeit als Ansprechpartnerin für die Bedürftigen in der Stiftung Mensch in Not. „Wir haben etliche Schichten gemeinsam bestritten und uns schätzen gelernt.“ So herausfordernd wie die ehrenamtliche Stiftungstätigkeit ist die neue Aufgabe nicht. Dort ging es darum, Hilfesuchenden in einer vorübergehenden finanziellen Notlage ggf. mit einer einmaligen Finanzspritze über den Engpass hinwegzuhelfen. Da brauchte es viel Fingerspitzengefühl, die Bedürftigkeit einzuschätzen. Doch hier wie dort ist ihre offene Art gefragt. Christa Siegmund hat keine Scheu, geht auf jeden Menschen zu, interessiert sich und kann ihre Meinung sagen.

Bevor sie zur Stiftung kam, war die Mutter von drei Söhnen und Großmutter von zwei Enkeln eine Amtsperiode lang Schöffin am Strafgericht in Hamburg. Das waren spannende vier Jahre mit vielen neuen Einblicken in menschliche Beweggründe.

Dabei war ihr Leben auch davor nicht langweilig gewesen. Sie sei ein echtes Kriegskind mit sehr kurzer schulischer Laufbahn, der damals für Mädchen üblichen Haushaltungsschule und einer Lehre im Einzelhandel. Um am Wochenende Zeit mit ihrem damaligen Mann zu haben, hätte sie die Stelle im Einzelhandel aufgegeben. 27 Jahre wäre sie dann bei der AOK gewesen, danach neun Jahre bei einem Pflegedienst. In ihrer Familie hat sie erst in den letzten Jahren gelernt, auch mal nein zu sagen und sich und ihre Pläne an die erste Stelle zu setzen. „Wenn es mir gut geht, dann kann es auch anderen gut gehen“, so ihre Erfahrung.

Nun freut Christa Siegmund sich auf die kurzen Ausflüge nach St. Petri. Bei den ersten Einsätzen war der beeindruckende Kirchraum ihr fast ein bisschen zu imposant vorgekommen. Doch mit der Kelle in der Hand bei der Essensausgabe und angesteckt durch die Lebendigkeit der Besucherinnen und Besucher, denen das gemeinsame Mittagessen schmeckt, hat sie ihr anfängliches Fremdeln schnell überwunden. Zufrieden fährt sie nach getaner Arbeit dann wieder nach Hause und freut sich auf ihren Mann.

St. Petri ist eine Tankstelle für die Seele – im Kirchengemeinderat wollte Petra Fischer etwas zurückgeben

Petra Fischer: „Liebe auf den ersten Blick!“

Petra Fischer – allein schon der Name hätte sie doppelt für diese Hauptkirche prädestiniert. Aber es war die Musik, die sie hierher geführt hat. „Wenn der Gesang ins Petri-Gewölbe hineinklingt, geht mir das Herz auf“, schwärmt sie. Seit 23 Jahren singt sie im Bachchor. „Damals habe ich eine Möglichkeit zum Singen gesucht und bin durch mehrere Kirchen gereist. In die Hauptkirche St. Petri habe ich mich dann verliebt.“ Die besondere Probenarbeit von Kantor Thomas Dahl und die anderen Menschen hätten sie damals sofort überzeugt. „Es war wirklich Liebe auf den ersten Blick“, lacht die sympathische 52jährige. „Bis heute gehe ich jedes Mal ganz beseelt aus den Konzerten und Gottesdiensten“, schwärmt Fischer. „Wenn der Chor zu einer Einheit verschmilzt, hat das ja auch etwas Mystisches. Dann ist diese Musik wie Meditation.“ 

St. Petri ist für sie eine „Tankstelle für die Seele“. Fischer schätzt besonders, dass es mit dieser Kirche einen Ort der Stille mitten im hektischen Großstadtgewimmel gibt. Hauptberuflich entwickelt die Architektin altersgerechte Wohnquartiere. Eine Legislaturperiode hat sie sich auch im Kirchengemeinderat engagiert. „Ich habe hier so viele schöne Erlebnisse gehabt. Meine Kinder sind jetzt größer geworden, ich habe dadurch mehr Zeit und möchte etwas zurückgeben.“