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„Alles hat seine Zeit…“ Auch in der Hauptkirche St. Petri

21.05.2019 | „Geboren werden hat seine Zeit und sterben hat seine Zeit … Suchen hat seine Zeit und verlieren hat seine Zeit… Lieben hat seine Zeit und hassen seine Zeit. Lachen hat seine Zeit und weinen hat seine Zeit.“ (Prediger 3 in Auszügen) Die gegensätzlichen Seiten des Lebens werden in diesem Gedicht verhandelt: Sprachlich schön. Vom Rhythmus des Textes her kann man sich das Pendel einer großen Standuhr vorstellen, das von der einen auf die gegenüberliegende Seite des Lebens schwingt. Man könnte sagen: Ja, so ist es. Die Gegensätze gehören zum Leben dazu und sind ein Teil des Ganzen. So würdigt der Prediger das Leben und verhilft womöglich zur Akzeptanz der unterschiedlichen Seiten.

Es klingt wie ein Resümee, das der Prediger verfasst. Gleichzeitig klingt die Vergänglichkeit mit. Mit einem Pendelschlag ist alles anders. Diese Weisheit braucht eine gewisse Distanz. Sie sieht das Leben von außen und erkennt es mit seinen Facetten an.

Doch was geschieht, wenn ich das Leben nicht aus der Distanz ansehe, sondern es mit Herz und Verstand erlebe? Was ist, wenn ich erlebe, wie das Leben sich von jetzt auf gleich verändert? Über diesen Bibeltext sollte ich vor zehn Jahren in meinem Vorstellungsgottesdienst in St. Petri predigen. Nun greife ich ihn zum Abschied aus der Gemeinde auf. Nach zehn Jahren werde ich eine neue Stelle antreten. Ich gehe mit vielen inneren Bildern.

In unserer Hauptkirche St. Petri fl iegen die gegensätzlichen Themen gleichsam durch den Raum: Seien es dankbare Eltern bei der Taufe ihres Kindes, glückliche Paare am Tag ihrer Hochzeit oder auch die Tränen am Sarg eines Menschen. Ich denke an Veranstaltungen, die den Frieden in den Vordergrund stellen und zugleich die Gefahr von Kriegen sehen. Ich sehe Menschen, die in unserem Kirchraum ihre Gebete sprechen und andere, die ihre Not im Beratungszentrum beklagen. Ich habe große Konzerte im Ohr und auch Gespräche in kleiner Runde. Ich höre prominente Redner, die die Kirche füllen, und auch arme Menschen, die dort in der Kirche verharren. Festliche Gottesdienste mit großartiger Musik lassen den Raum leuchten. Ich sehe die Tische am Heiligen Abend im Kirchenschiff vor mir. Viele Gemeindeglieder mischen sich mit armen und obdachlosen Menschen. Kinder und Menschen unterschiedlichster Nationen feiern zusammen die Geburt Jesu.

Viele besondere Momente, die wach werden und sogleich wieder vergehen. Vor allem bin ich dankbar für die vielen vertrauensvollen Gespräche in der Seelsorge. Rund einhundert ehrenamtliche Mitarbeiter durfte ich für den Dienst im Beratungszentrum ausbilden. Das größte in dieser Zeit war natürlich meine eigene Hochzeit mit Matthias Schmidt. Respektvoll und liebevoll haben die Mitarbeiter des BSZ und viele Gemeindeglieder unser Fest geteilt. Hauptpastor Christoph Störmer sagte: Wenn wir in St. Petri auch oft Konfl ikte und Schwierigkeiten haben, eure Trauung zeigt, dass man sich hier auch lieben und verlieben kann.

Darüber hinaus hat uns alle nachhaltig der Tod von Martina Severin-Kaiser getroffen.

Alles hat seine Zeit? Ja, vielleicht. Wo wir mitfühlen, bedeutet diese Zeit sowohl Glück als auch Verzweifl ung. Doch was kann bleiben und was hat Bestand? Der Prediger schreibt am Ende seines Gedichtes: „Gott hat uns die Ewigkeit ins Herz geschrieben.“

Nicht die Zeit, sondern die Ewigkeit sei weit und öffnet den Blick. Die Ewigkeit im Herzen heißt für mich: Gott ist da – in deinem Herzen und in dem Herzen deines Nachbarn auch. Die Ewigkeit erahnen wir, wo wir trotz der Wirklichkeit von Verzweifl ung Kraft und Leben entdecken; wo wir trotz Angst und Schmerz Trost fi nden oder um Linderung beten; wo wir trotz der Realität von Krieg an Versöhnung und Liebe glauben; wo wir trotz des Todes Leben erwarten. Wir feiern die Auferstehung Jesu. Zu Ostern feiern wir, dass nicht die Zeit und die Vergänglichkeit uns beherrschen, sondern die Ewigkeit im Herzen.

Ich freue mich auf die neue Stelle, in der ich Vikare in der Ausbildung begleiten werden und zugleich schmerzt auch der Abschied von St. Petri. Das ist so! Aber es ist nicht alles.

Ihr Pastor Reinhard Dircks

 

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