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Petri-Blog

Brahms: Ein deutsches Requiem und Zeisl: Requiem ebraico

09.10.2019 | Lange ist das Deutsche Requiem von Johannes Brahms in St. Petri nicht erklungen. Doch am 9. November ist zu erfahren, wie Brahms ganz persönlich aufs Lebensende blickt; welche Gefühle ihn umtreiben; was ihn innerlich aufreibt. Zweifelsohne kann behauptet werden, dass das Brahms’sche Deutsche Requiem zu den Kernstücken protestantischer Kirchenmusik gehört.

Brahms bricht in diesem Werk absolut mit der Tradition. Er komponiert ein Requiem und tut dies auf deutsch. Nie da gewesen. Aber der entschiedenste Kniff ist der Adressatenwechsel. Betete man in der alten lateinischen Messe noch um das Seelenheil des Verstorbenen, richtet sich das Deutsche Requiem von Brahms an die Hinterbliebenen, die nach einer Erklärung bzw. einem Weg suchen, mit dem Verlust umzugehen. Das Werk ist geprägt durch fundamentale Aufschreie, durch große Sehnsucht und schließlich durch unerschütterliche Zuversicht und allumfassenden Trost.

Vorweg erklingt in diesem Konzert das Requiem ebraico von Erich Zeisl. Der Erstaufführung dieses Werkes in St. Petri liegt erst ein gutes Jahr zurück: Im Februar 2018 hatte ich die große Freude, dieses Werk zu meinem Masterkonzert dirigieren zu dürfen. Erich Zeisl wurde in Wien in eine jüdische Familie hineingeboren. Er schloss seine musikalische Ausbildung an der Wiener Musikakademie ab und wirkte zunächst als Klavierlehrer und Komponist. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im Jahre 1938 emigrierte Zeisl über Paris nach Hollywood. Hier arbeitete er unter anderem als Komponist für Filmmusiken, aber auch als Musiklehrer. Er bekam von einer Synagoge den Auftrag, den 92. Psalm zu vertonen. In den Kompositionsprozess fiel das Ende des Zweiten Weltkrieges und Zeisl erhielt die Nachricht, dass viele seiner Familienangehörigen, unter anderem sein Vater, von den Nationalsozialisten ermordet worden waren. Er entschied sich, die Psalmenvertonung auf hebräisch zu beenden und dieses Werk als „Requiem ebraico“ dem jüdischen Volk nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges zu hinterlassen. Zeisl zeichnet sich durch eine zielsichere Orchestrierung und einen klaren musikalischen Gestus aus. Fremdartig anmutende Melodien, charismatisch geführte Klarinetten und pastose Klangflächen bestimmen das Bild. Zeisls Tonsprache ist eine Mischung aus wuchtig- europäischer Spätromantik, amerikanischem Pathos und jüdischer Folklore.

Ihr Kantor Lukas Henke

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Für diejenigen, die sich schon vorher auf die Emotionalität des Brahms-Requiem einstimmen möchten, veranstalten Elisabeth Jöde (BSZ) und Wolfgang Teichert am 9. November von 10 bis 17 Uhr ein Tagesseminar im Beratungs- und Seelsorgezentrum. Der neugierig machende Titel: "Von Trauer, Trost und Freude – Begegnung mit Brahms Requiem". Eine Anmeldung ist erforderlich unter Telefon 040/ 32 50 38 75. Die Seminargebühren betragen 50 Euro.

Konzertkarten ab 11 Euro (inkl. HVV) können u.a. im Kirchenbüro erworben werden.

 

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