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„… denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen"

16.12.2019 | Anders als man vielleicht erwarten würde, beginnt der Evangelist Lukas sein Evangelium nicht mit der Erzählung von der Geburt Jesu, sondern mit einer Vorgeschichte. Er tut dies nicht, um die Spannung zu steigern, sondern um uns vorzubereiten. Es sind nur wenige Person, von denen Lukas im ersten Kapitel seines Evangeliums erzählt. Ein Verkündigungsengel, ein altes Ehepaar, eine junge Frau, einige Nachbarn und ein Neugeborenes. Auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches. Doch in diesem ganz alltäglichen Rahmen gibt es dramatische innere und äußere Bewegungen.

Da wird erzählt von Engelbesuchen, unglaublichen Geburtsankündigungen, von tiefen Zweifeln und Verstummen. Und es wird gesungen. Menschen stimmen Lieder an, die Gott loben und preisen. Denn, unglaublich, aber wahr – die da singen, haben in ihrem Leben erfahren: Bei Gott ist kein Ding unmöglich. Er mischt sich in diese Welt ein und schafft neues Leben.

Zu denen, die in dieser Vorgeschichte ein Lied anstimmen, gehört auch Maria. Der Erzengel Gabriel hatte ihr die Geburt eines Kindes angekündigt. Nach einer ersten Irritation – „Wie soll das zugehen?“ – stimmt Maria zu: „Mir geschehe, wie du gesagt hast“. Kurz danach beginnt Maria zu singen: „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.“ So deutet Maria, was sie erfahren hat. Gott hat sie „angesehen“. Gott hat nicht über sie hinweggesehen. Er hat nicht auf sie herabgesehen. Er hat sie, ein armes, einfaches und unbedeutendes Mädchen aus einem Provinznest, angesehen und auserwählt, die Mutter Jesu zu werden. Nicht aufgrund einer besonderen Eigenschaft oder Würdigkeit, sondern einzig und allein aufgrund der Gnade und Liebe Gottes.

Das ist, so sagt es Dietrich Bonhoeffer, „das Wunder aller Wunder, dass Gott das Niedrige liebt. […] Gott schämt sich der Niedrigkeit des Menschen nicht, er geht mitten hinein, erwählt einen Menschen zu seinem Werkzeug und tut seine Wunder dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Gott ist nahe der Niedrigkeit, er liebt das Verlorene, das Unbeachtete, Unansehnliche, das Ausgestoßene, das Schwache und Zerbrochene, wo die Menschen sagen ‚verloren‘, da sagt er ‚gefunden‘; wo die Menschen sagen ‚gerichtet‘, da sagt er ‚gerettet; wo die Menschen sagen ‚Nein!‘, da sagt er ‚Ja!‘“.

Eine Vorgeschichte wie ein Wegweiser. In Wahrheit schon eine Geschichte über das Weihnachtswunder. An Maria sehen wird, was an Weihnachten auch uns allen gilt: In seinem wunderbaren Tun lässt Gott sich nicht aufhalten: weder durch scheinbar biologische Notwendigkeit noch durch politische Verhältnisse. Mit dem Lobgesang der Maria im Ohr und im Herzen öffnet sich ein anderer Blick auf die Wirklichkeit: Wenn Gott an Weihnachten nicht in einer Luxusherberge in Jerusalem, sondern in einem zugigen Stall in Bethlehem zur Welt kommt, dann ist das kein Betriebsunfall, wie man leicht denken könnte, sondern Programm. Gott übersieht die Niedrigen, die Armen, die Unsichtbaren nicht. Im Gegenteil. Er setzt alles in Bewegung, damit sich die Not von Menschen wendet und sich Frieden und Gerechtigkeit in dieser Welt ausbreiten.

Vielleicht stimmen wir – mit Blick auf unsere schwierige Gegenwart mit ihren großen Herausforderungen und Problemen – nicht gleich ein lateinisches Magnificat an, aber es könnte eine Möglichkeit sein, den Lobgesang der Maria mit zu summen und uns so von ihr in den Tagen des Advents mithinein nehmen zu lassen in das Vertrauen, dass Gott uns liebevoll und gütig ansieht, dass er diese Welt nicht ihrem Schicksal überlässt, dass er im Kommen ist, um Leben in Fülle zu schaffen und dass darum nichts so bleiben muss wie es ist.

In dieser Gewissheit unseres Glaubens wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit. Möge die Begegnung mit Weihnachten so enden, dass die Liebe, das Licht und die Freude über die Geburt Jesu unsere Herzen erfüllt und wir in den Familien, mit den Freunden und in den Gottesdiensten so wie Maria Gott kräftig loben und fröhlich singen und durch uns der Glanz von Weihnachten auch andere erreicht.

Mit herzlichen Grüßen,
Ihr Hauptpastor Dr. Jens-Martin Kruse

 

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