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Friday, 17. September 2021

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

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Petrigruß zu Pfingsten

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Petrianer!

21.05.2021 | In diesen Tagen hat der Verein „Andere Zeiten“, der seit Jahren mit vielen kreativen und anregenden Projekten immer wieder einen neuen Blick auf die Zeiten und Feste des Kirchenjahres wirft, unter dem Titel „geistreich“ ein kleines, sehr anregendes Buch mit 50 Pfingstideen herausgebracht.

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„Pfingsten“, so heißt es im Vorwort, „erinnert uns daran, dass und wie wir uns begeistern lassen können. Im Alltag und am Sonntag, und zwar auch bei solchen Tätigkeiten, bei denen wir es zunächst gar nicht erwarten oder die wir uns erst mal gar nicht zutrauen. Bis uns dann ein Feuer packt und wir mit überraschendem Enthusiasmus fortfahren und neue Einsichten gewinnen.“ Und dementsprechend finden sich in dem Buch 50 Texte zu Tätigkeiten, die diese Begeisterung zum Ausdruck bringen.

Beim ersten Stöbern bin ich auf einen wunderbaren Text des Journalisten Michael Dobrinski über das Staunen gestoßen. Er schreibt: „Staunen ist ein Risiko. Wer staunt, steht erst einmal dumm da: mit aufgerissenen Augen, offenem Mund und hängenden Schultern, erstarrt. In diesem Moment sind alle seine Souveränität und Selbstsicherheit dahin. Das Wort Staunen kommt vom schweizerischen „stunen“ und bedeutet: starr blicken, erstarren. Wer staunt, ist aus dem Gleichgewicht, hilflos gegenüber dem Unerhörten und unfähig, es in Worte zu fassen. Er ist ergriffen und irritiert vom Fremden, das da gerade auf ihn einstürzt. Uncooler geht es nicht. Der Staunende wird zum großäuigen Kind. Bei Erwachsenen ist das immer etwas peinlich.

Anders aber ist der Panzer der Wirklichkeitsverkürzung nicht zu durchbrechen, der den Staunenslosen auf sich selbst reduziert. Wer staunen können will, muss sich angreifbar machen, sich treffen lassen, muss die Wahrheiten, die er mit sich durchs Leben führt, als vorletzte sehen lernen. Wer sich im Besitz der ewigen Wahrheit wähnt, ist so wenig staunensfähig wie jener, der sein Leben aufs Nächstliegende und Offensichtliche beschränkt. Staunen ist immer auch ungläubiges Staunen, das Gewissheiten über den Haufen wirft und alle ins Stottern bringt, die allzu genau wissen, wie das geht mit dem Glauben.“

Pfingsten kommt in diesem Jahr genau zum richtigen Zeitpunkt. Wir brauchen – scheint mir – gerade mehr Mut zum Staunen. Die Pfingstgeschichte ist auf ein solches irritierendes Staunen hin angelegt und genau das könnte uns jetzt helfen, den Weg aus der Krise zu finden – ein Staunen, das die Konventionen sprengt und das Gewohnte durcheinanderwirbelt, so dass wieder Bewegung in erstarrte Verhältnisse kommt, sich unentdeckte Spielräume auftun und Menschen mit Freude, Zuversicht und Begeisterung nach vorne schauen und ihre Gegenwart geistreich und menschenfreundlich zu gestalten beginnen.

Am Pfingstfest gibt es vieles, was uns Staunen lässt. Da ist die wunderbare Geschichte von dem ersten Pfingstfest in Jerusalem. Und im Evangelium von Johannes wird uns eine nicht anders als staunenswerte Wohngemeinschaft angeboten. Und im Gottesdienst am Pfingstsonntag wird eine wunderschöne Kantate von Johann Sebastian Bach erklingen, deren Name zwar etwas nüchtern klingt – „Wer mich liebet, der wird mein Wort halten“ (BWV 74) – deren Musik und Inhalt aber sind pfingstlich-fulminant und erfüllen einen von innen her mit Freude, Zuversicht und Begeisterung. Und ganz am Ende des Gottesdienstes werden wir – wenn es das Wetter es zulässt – auch wieder auf dem Kirchplatz gemeinsam singen.

Viel Schönes ist also vorbereitet und da wäre es doch wirklich sehr fein, wenn Sie unsere Kirche zu den Gottesdiensten an Pfingsten so füllen, dass zu unserem Erstaunen kein Platz mehr frei bliebe und wir die Freude über unseren Gott, der uns eine gute Zukunft ermöglichen will, miteinander teilen können.

Wir wünschen Ihnen von ganzem Herzen ein gesegnetes Pfingstfest, das Sie berühren und begeistern und viele Gelegenheiten, Begegnungen und Erfahrungen zum Staunen enthalten möge!


Ihre
Hauptpastor Dr. Jens-Martin Kruse      Pastorin Gunhild Warning      Pastor Krischan Heinemann
Pastorin Erneli Martens

 

 

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